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„If it started out to be about real people (and she could write about them - her minor characters show that), they must very soon do unreal things in order to form the artificial pattern required by the plot. When they did unreal things, they ceased to be real themselves. They became puppets and cardboard lovers and papier mâché villains and detectives of exquisite and impossible gentility. The only kind of writer who could be happy with these properties was the one who did not know what reality was."
Ulrich Suerbaum betrachtet Gaudy Night als Oxford-Roman, was er offensichtlich auch ist. Auch er fragt sich, ob Sayers mit diesem Roman den Ansprüchen, die an Literatur gestellt werden, Genüge getan habe. Er stellt fest, daß die augenfälligste Abweichung Gaudy Nights zur Norm der Detektivgeschichten in seinem Umfang liege. Mit fast 500 Seiten übersteigt Gaudy Night das Standardvolumen der Detektivgeschichten und gehört auch zu den umfangreichsten Werken Dorothy L. Sayers’. Doch Quantität allein kann natürlich kein Kriterium für hohe Literatur sein. So stellt Suerbaum auch fest, daß in Gaudy Night neben dem Handlungsgerüst, das er im wesentlichen dem der Detektivgeschichte für entsprechend hält, auch andere Standardelemente der Detektivgeschichte zu finden sind:
„ein Figurenensemble, das aus Detektiven und Verdächtigen besteht, Fragen, die am Ende von Sequenzen beantwortet werden, Ermittlungen auf materieller und psychologischer Ebene, alternative Erklärungskontexte zum Verstecken von Spuren, Zwischenbilanzen, große Lösungsszene - und so weiter."
Suerbaum bemerkt auch die Themen, die vom normalen Gerüst der Detektivgeschichte
abweichen, wie das Leben in Oxford, die Universität als geistiges
Refugium, die Wissenschaft als Ideal menschlicher Existenz. Jedoch kann
er nicht feststellen, daß diese Themen in einer eigenen Struktur
Bestand hätten. Suerbaum bemängelt das Fehlen von unabhängigen
Handlungen sowie personaler Träger der Themen, die diese Themen zu
Romanbestandteilen machen. Die Themen werden seiner Meinung nach nur „irgendwo
als Dialog oder Reflexion untergebracht". Miss de Vine, Miss
Hillyard, Catherine Bendick sowie natürlich auch Wimsey und Harriet
sind allerdings meines Erachtens deutlich die Träger des Themas „intellektuelle
Integrität" in seinen unterschiedlichen Interpretationsvarianten.
Sayers beschreibt das Verhältnis dieser Person zu dem Thema sehr intensiv.
Sie gibt jeder von ihnen eine unterschiedliche Auffassung vom Wert ihrer
Arbeit und stellt sie einander gegenüber.
Da diese Themen in Gaudy Night nur durch das Gerüst der
Detektivgeschichte gestützt werden, gesteht Suerbaum dem Roman „zwar
eine Öffnung mit dem Ziel der Aufnahme neuer Aussageelemente" zu,
hält ihn jedoch noch nicht für den Übergang in den Gesellschaftsroman.
Allerdings gibt er zu, daß Gaudy Night über das Niveau des Rätselspiels
hinausgeht. Er sagt, daß das Gerüst des Detektivromans durchaus
in der Lage sei, auch andere Themen neben dem eigentlichen Rätsel
zu tragen, hält aber Dorothy L. Sayers’ Lösung für mißlungen.
Auch John G. Cawelti erkennt Sayers’ Anstrengungen, dem Gerüst
des Detektivromans neue Möglichkeiten abzugewinnen. Er vergleicht
die Romane Sayers’ mit denen Agatha Christies und stellt fest, daß
die Stärke Christies in der Darstellung von mysteriösen Rätseln
liege und die Qualität Sayers’ bei der Verbindung des Rahmens des
Detektivromans mit religiösen Themen und der Beschreibung von sozialen
Schauplätzen.
Howard Haycraft sieht Dorothy L. Sayers als Pionierin. Er beschreibt
sie als gebildete Autorin mit der Ambition, der Detektivliteratur neue
Möglichkeiten zu öffnen. Er hält sie für eine Schriftstellerin,
die experimentierfreudig ist und neue Formen anstrebt. Ihren Versuch allerdings
hält auch er für wenig geglückt. Das führt er darauf
zurück, daß Sayers zu den ersten gehört habe, die Anstrengungen
in diese Richtung unternommen haben.
Julian Symons fragt sich, ob denn ein Roman wie Gaudy Night
oder Busman´s Honeymoon überhaupt noch als Detektivroman
bezeichnet werden kann. Über Sayers’ letzte Detektivromane sagt er:
„Her infatuation with Lord Peter, and her attempt to turn the detective story into a ‘novel of manners’ ended in a weakening of the detective element almost to the point where it ceased to exist."
Dorothy L. Sayers hat, wie ich meine, mit ihren Lord-Peter-Wimsey-Romanen der Detektivliteratur eine Menge neuer Impulse gegeben. Angefangen hat sie mit einem supermannähnlichen Detektiv, den sie, durch seine Beziehung zu Harriet Vane, mit so vielen Schwächen, Eigenarten und auch bewundernswerten Eigenschaften versehen hat, daß sich aus ihm über eine Anzahl von Jahren und Romanen eine menschliche Figur entwickeln konnte. In ihren Romanen beschreibt sie nicht nur Mordfälle, sondern, zum Beispiel in The Nine Tailors und Gaudy Night durchaus erfolgreich, auch soziale Gruppen u