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„Often enough the investigator becomes convinced that the person
compromised by the evidence, usually a woman, is in reality innocent, and
an element of romance, or at least of chivalry, is thus introduced.
The detective is then no longer simply an impartial enquirer whose
intellectual faculties are brought to bear on the problem with ‘ice-cold
logic’. The drama tends to involve him personally, appealing to his emotions
and his affections may be deeply engaged, as Trent´s were by Mabel
Manderson, Gethryn´s by Lucia, and Lord Peter´s by Harriet
Vane."
Wenn es auch den Anschein hat, als ob E. C. Bentley und E. F. Benson
Romanzen in ihren Romanen in ähnlicher Weise benutzt haben wie Sayers,
so kommt doch ihr der Verdienst zu, eine bewußte Verflechtung der
Romanze mit dem Detektivroman erreicht zu haben.
Mit der Einführung der Figur der Harriet war es Sayers nicht mehr
möglich, die Distanz des Helden nach dem klassischen Muster, dem ihre
frühen Romane noch folgten, aufrecht zu erhalten. Sie ist der Auffassung,
daß wenn eine Romanze in eine Detektivgeschichte einfließt,
diese Bestandteil der Lösung des Falls sein muß. Wenn dies nicht
der Fall ist, verliert die ganze Geschichte an Konsistenz. Entweder die
Detektivgeschichte wird zur Nebensache, oder die Romanze wird zur Farce,
in der die Charaktere keinerlei Realität besitzen.
Um dies zu vermeiden, muß also die Problematik der Beziehung
eine ähnliche Basis haben wie der Kriminalfall. In Gaudy Night
ist
diese Problematik die intellektuelle Integrität. Hätte Miss de
Vine vor Jahren aus Mitleid mit der Familie des Wissenschaftlers, der,
um seine These zu schützen, vorsätzlich betrogen hat, ihre intellektuelle
Integrität verraten, wären die Vorkommnisse im Shrewsbury College
nie aufgetreten. Wären Harriet und Peter nicht bereit, die Integrität
des anderen zu akzeptieren, hätte eine Beziehung zwischen den beiden
keine Aussicht auf Kontinuität.
In besonderem Maße bestimmend für das Ausmaß der Involvierung
des Detektivs ist auch die Frage, inwiefern er Anteil nimmt an dem Schicksal
des von ihm gestellten Mörders. Im klassischen Detektivroman, so stellt
Ulrich Schulz-Buschhaus fest, findet sich für moralische Betrachtungen
kein Platz.
„Da das Verbrechen im pointierten Rätselroman allein als das frappanteste Beispiel eines Rätsels behandelt wurde, mußten neben seinen psychischen und sozialen auch seine moralischen Aspekte grundsätzlich ignoriert werden. Das Verbrechen galt als eindeutiges Übel und seine Bestrafung als ebenso eindeutiges Gut; denn Verbrechen und Bestrafung stellten für das Schema ja immer nur eine spannende Rätselfrage dar."
Selbst die Opfer wurden nicht als bemitleidenswert beschrieben.
In den seltensten Fällen wird in Detektivromanen darüber
berichtet, wie ein gefaßter Mörder verurteilt und hingerichtet
wird oder wie der Detektiv damit umgeht, daß er einen Menschen durch
sein Handeln dem Henker oder lebenslanger Haft übergibt. Auch der
Lord Peter Wimsey der ersten Romane macht da nur in kleinem Maße
eine Ausnahme. In Whose Body? wird das Ende des Sir Julian Freke noch mit
Napoleon Brandy begossen. Allerdings zeichnet sich bereits in schwachen
Ansätzen ab, daß Peter sich Gedanken über sein Handeln
macht. Auch Peters Gewissen entwickelt sich im Laufe der Jahre und Romane.
Im Gegensatz zu den Detektiven anderer Autoren hat Wimsey moralische Bedenken
gegenüber den Tätern, die er durch sein Handeln der Strafe zuführt.
In Whose Body? äußert er seine Bedenken Charles Parker gegenüber,
der ihn auf seine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft hinweist.
Aber auch diese moralische Rückendeckung kann den Anfall von shell-shock
nicht verhindern. Wimsey versucht, einen Kompromiß zwischen gesellschaftlicher
Verpflichtung und Gewissen zu finden. In Unnatural Death sind durch sein
Eingreifen weitere Unschuldige ums Leben gekommen. In diesem Buch sucht
er Trost bei Mr. Tredgold, einem Priester, der ihm hilft, indem er Peter
verdeutlicht, daß er den richtigen Weg geht, wenn er dem Gesetz hilft.
Die Konsequenzen könne der einzelne Mensch nicht abschätzen.
Aber auf die Intention käme es an. Solange Peter aus einem Rechtsempfinden
handele, könne er das moralisch vertreten. Aus einer Laune heraus
oder als Hobby wären seine Taten schon eher bedenklich.
In Strong Poison wird dann auch deutlich, daß Wimseys
kriminalistisches Interesse zu mehr als nur einem Hobby geworden ist. Letztendlich
geht es in diesem Fall um einen Menschen, der ihm viel bedeutet. Nach Strong
Poison wird Peters ehemaliges Hobby immer mehr dadurch gerechtfertigt,
daß es sich dabei um einen Dienst an der Gesellschaft handelt. Harriet
trägt ihren Teil dazu bei, wenn sie Peter in Gaudy Night verteidigt.
„‘But what I should like to know,’ pursued Miss Barton, refusing
to be diverted, ‘is wether this dilettante gentleman does anything, outside
his hobbies of detecting crimes and collecting books, and, I believe, playing
cricket in his off-time.’
Harriet, who had been congratulating herself upon the way in which
she was keeping her temper, was seized with irritation.
‘I don´t know,’ she said. ‘Does it matter? Why should he do
anything else? Catching murderers isn´t a soft job, or a sheltered
job. It takes a lot of time and energy, and you may very easily get injured
or killed. I dare say he does do it for fun, but at any rate, he does do
it. Scores of people must have as much reason to thank him as I have. You
can´t call that nothing.’"
Obwohl seine kriminalistische Beschäftigung so ihre rationale Verteidigung erfährt, plagt Peter immer noch unbewußt das Gewissen. Nach jedem Fall kommt es zu Schockzuständen, die durch die Verantwortung für das Leben - oder den Tod - eines Menschen ausgelöst werden. In Busman´s Honeymoon ist es Wimsey mittlerweile schon fast zuwider, sich an der Aufklärung des Verbrechens beteiligen zu müssen. Harriet fragt ihn, ob die Polizei denn wirklich von ihm erwarten könne, selbst in seinen Flitterwochen noch Verbrechen aufzuklären. Er antwortet, daß er gar nicht anders kann:
„‘I can´t wash my hands of a thing, merely because it´s inconvenient to my lordship,(...). I hate violence! I loathe wars and slaughter, and men quarrelling and fighting like beasts! Don´t say it isn´t my business. It´s everybody´s business.’"
Die Aufklärung von Verbrechen ist nicht mehr nur ein Hobby. Es
ist zu Peters Lebensaufgabe geworden, der er sich nicht mehr ohne Verlust
der Selbstachtung entziehen kann.
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