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„Was zu der Zentralfigur eines normalen Detektivromans paßt - die übermenschlichen Geistesgaben, die markierenden Eigenheiten und Manierismen, die outrierte soziale Position - das wirkt völlig überzogen und lächerlich, wenn man es konkretisiert und psychologisch erklärt. Die >Marionette< der früheren Romane mit ihrem von der Autorin beklagten begrenzten Repertoire an Tricks und Attitüden ist glaubwürdiger als die ernstgemeinte Idealkombination aus Künstler, Wissenschaftler, Sportsmann und Diplomat."
Von vielen wird Sayers’ Versuch der Neugestaltung des Genres mit Hilfe der Metamorphose Wimseys als mißglückt betrachtet. Häufig wird die frühere Gestalt Wimseys vermißt und der neue verurteilt. Patricia Craig und Mary Cadogan empfinden Lord Peter Wimseys Emotionen als lächerlich.
„Wimsey in love is a sorry figur, hedged in by emotional constraints, his advantages of no account, his absurdities underlined and his author´s want of detachment badly in view. Dorothy L. Sayers created a fantasy figure and then proceeded to lumber him with real emotions which no reader can take serious."
Tatsächlich hat Sayers mit Gaudy Night ein gewagtes Experiment
gestartet. Mit ihrem Versuch, den Detektivroman zu neuen Höhen zu
bringen, ihm völlig neue Wege zu öffnen, hat sie sich nicht nur
Freunde gemacht. Ist man als Leser in erster Linie daran interessiert,
eine Detektivgeschichte als Gedankenspiel oder Rätsel zu lesen, ist
man von den langschweifigen Beschreibungen der Beziehung Harriet-Peter
sicherlich enttäuscht und gelangweilt.
Für den Leser jedoch, der daran interessiert ist, in einem Roman
etwas über Menschen zu erfahren, und dabei die Spannung des Detektivromans
nicht missen möchte, ist diese neue Form entgegenkommend. Wimsey mit
seinen Schwächen und seiner neuerworbenen Vergangenheit mag nicht
in allen Punkten überzeugend sein, aber in seiner Entwicklung und
mit seiner Anfangsposition ist er durchaus glaubwürdig.
Nicolas Freeling hält Gaudy Night für Sayers’ bestes
Buch, aber für ihre schlechteste Detektivgeschichte. Während
er ihren Versuch, zwei Genres miteinander zu verknüpfen, für
„sometimes
uneasy" hält, betrachtet Julian Symons diesen als vollständig
gescheitert.
„There is a breathtaking gap between intention and achievement."
Was von ihren Kritikern allerdings nicht beücksichtigt wird, ist,
daß Sayers zu den ersten Autoren gehört, die diesen Schritt
wagen. So wie die ersten Detektivgeschichten von E. A. Poe oder Sir Arthur
Conan Doyle heute nicht mehr die Spannung aufkommen lassen, wie zu der
Zeit, in der sie geschrieben wurden, so wirkt auch Sayers’ Pionierarbeit
heute „uneasy". Das liegt aber nicht daran, daß diese Pioniere
schlechte Arbeit geleistet hätten, sondern daran, daß spätere
Autoren auf ihren Leistungen aufbauen konnten.
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