| Kapitel 6.1 | Kapitel 7 |
| Inhaltsvereichnis | Literaturverzeichnis |
| Startseite | Webmaster@dalock.de |
„Diese sittliche Notwendigkeit der Forschung, die wissenschaftliche Neugierde verbunden mit der Fähigkeit, sich eine Übersicht zu erwerben, Erkenntnisse ihrem Werte entsprechend abzuwägen, keine falschen Schlüsse zu ziehen, vor allen Dingen keine unzulässigen Rückschlüsse vorzunehmen, die Aufmerksamkeit des Kombinierens, das alles berührt sich aber auch eng mit den Gründen, aus denen Detektivgeschichten gelesen werden."
Peter wird beschrieben als Magister der Geschichtswissenschaften. Er
hat einen Prädikatsabschluß und spricht mehrere Sprachen. Er
kann mit den Gelehrten der Universität Konversation führen, ohne
daß ihm jemand nachsagen könnte, er wüßte nicht,
wovon er redet. Weiß er etwas nicht, gibt er das zu, was ihn nur
noch integrer wirken läßt. Er kann Miss Hillyard Zugang zu einer
Bibliothek mit für sie interessanten Schriften verschaffen.
Auf diesem Weg schafft es Sayers, Wimsey als Akademiker achtbar wirken
zu lassen. Für Harriet ist es aber wichtig, ihm nicht nur intellektuell,
sondern auch emotional vertrauen zu können. Zu diesem Zweck läßt
Sayers den Fall, an dem Harriet und Peter gemeinsam arbeiten, eine mögliche
direkte Auswirkung auf ihre gemeinsame Beziehung haben, die Wimsey erkennt
und fürchtet.
Das Motiv des Täters ist auf unkontrollierte, emotionale Abhängigkeit
zurückzuführen. Der Auslöser war die Ahndung mangelnder
Integrität durch Miss de Vine. Peter muß fürchten, daß,
wenn Harriet die Zusammenhänge erkennt, sie ihre Angst vor emotionaler
Bindung bestätigt sieht. Das ist die große Probe, die Wimsey
gestellt wird. Wird er dem Verlangen nachgeben, den einfachen Weg zu gehen
und das wirkliche Motiv vor Harriet zu verbergen? Abgesehen davon, daß
das wahrscheinlich nicht möglich wäre, ist Wimsey nicht nur bereit,
Harriet das Motiv zu offenbaren, sondern er fordert sie sogar dazu auf,
selbst dahinterzukommen.
„‘Surely you know by this time? You must know, Harriet, if you´re giving your mind to the thing at all. Opportunity, means, motive - doesn´t it stand out a mile? For God´s sake, put your prejudices aside and think it out. What´s happened to you that you can´t put two and two together?’"
Für die Beziehung zwischen Harriet und Peter bedeutet dies, daß
er sie als gleichgestellten Partner schätzt. Sie wird zwar dadurch
nicht auf das Niveau des Superdetektivs gehoben, jedoch zeigt Wimseys Interesse
an ihrer Meinung, daß er sich ihr nicht überlegen fühlt.
Er weiß, daß sie zur Lösung des Falls fähig ist,
wenn sie nicht durch ihre momentanen Vorurteile von der Lösung abgelenkt
wäre.
Auch die Aufklärung des Falles wird erst durch Wimseys Kenntnis
und Wertschätzung des akademischen Geistes möglich. Er erwartet
die Charakterfestigkeit der Dons und rechnet damit, daß ihre Liebe
zur Wahrheit sie sich auch über soziale Erwägungen hinwegsetzen
läßt.
Wenn er den Mitgliedern des Senior Common Rooms die Lösung des
Falles unterbreitet, tut er das auf eine Art, die an einen wissenschaftlichen
Vortrag erinnert:
„‘I will first set out the salient points as they presented themselves to me when I came to Oxford last Sunday week, so as to show you the basis upon which I founded my working theory. I will then formulate this theory, and adduce the supporting evidence which I hope and think you will find conclusive.’"
Dies geschieht zum einen, um sich der Sprache der Dons anzupassen, aber
noch viel mehr aus der Achtung vor deren Arbeitsweise.
Intellektuelle Integrität ist die Basis, auf der sich Harriet
und Peter gegenüberstehen können. Die Art der Beziehung wird
durch Bachs Musik ausgedrückt. Intellekt und Leidenschaft, Körper
und Geist, Mann und Frau stellen, wie Tokkata und Fuge, in gegenseitiger
Abhängigkeit eine Ganzheit dar.
„‘This kind of thing,’ said Peter, as tenor and alto twined themselves in a last companionable cadence, ‘is the body and bones of music. Anybody can have the harmony, if they leave us the counterpoint.’"
Am Tag, nachdem der Fall des Poltergeistes im Shrewsbury College geklärt
ist, dankt Harriet Peter nochmals für die Rettung ihres Lebens. Diesmal
jedoch, ohne die Bitterkeit zu empfinden, die in der Vergangenheit ihre
Dankbarkeit begleitet hatte.
Sie sagt:
„‘If I owe you nothing else, I owe you my self-respect. And I owe
you my life-’
‘Ah!’ said he, smiling. ‘But I have given you that back by letting
you risk it. That was the last kick that sent my vanity out of doors.’
‘Peter, I did manage to appreciate that. Mayn´t I be grateful
for that?’
‘I don´t want gratitude -’
‘But won´t you take it, now that I want to give it to you?’
‘If you feel that way about it, then I have no right to refuse.
Let that clear all scores, Harriet. You have given me already far more
than you know. You are free now and for ever, as far as I am concerned.
You saw yesterday what personal claims might lead to - though I didn´t
intend you to see it in quite that brutal way. But if circumstances made
me a little more honest than I meant to be, still, I did mean to be honest
up to a point.’
‘Yes,’ said Hariet, thoughtfully. ‘I can´t see you burking
a fact to support a thesis.’
‘What would be the good? What would I ever have gained by letting
you imagine a lie? I set out in a lordly manner to offer you heaven and
earth. I find that all I have to give you is Oxford - which was yours already.’"
So ist es nur natürlich, daß die Worte, mit denen der letzte
Heiratsantrag gestellt wird und die zu finden Dorothy L. Sayers so lange
gebraucht hat, diejenigen sind, mit denen die neuen Master of Arts von
den Dons der Colleges als ebenbürtig akzeptiert werden und die zur
Abschlußzeremonie des Studiums in Oxford gehören.
Kathleen Gregory Klein stellt hierzu fest:
„Only when she discovers that Peter´s view of marriage does not include possesiveness and the precedence of personal responsibilities over professional ones, as revealed in the solution of the case, can she agree, finally, to his Latin proposal (...), when he addresses her by her university title."
Wimsey fragt Harriet: „Placetne, magistra?" „Placet."
ist ihre Antwort.
| Kapitel 6.1 | Kapitel 7 |
| Inhaltsvereichnis | Literaturverzeichnis |
| Startseite | Webmaster@dalock.de |