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„By choosing a plot that should exhibit intellectual integrity as the one great permanent value in an emotionally unstable world I should be saying the thing that, in a confused way, I had been wanting to say all my life."
Beim Schreiben von Gaudy Night muß Dorothy L. Sayers bewußt
geworden sein, wieviel ihr dieses Thema bedeutet. Denn in ihren nachfolgenden
nicht-kriminalistischen Werken ist das Thema der Kreativität, des
Wertes der Arbeit und der intellektuellen Integrität dominierend.
In „Are Women Human?" betont sie, daß für die Wertstellung
der Frau die von ihr geleistete Arbeit entscheidend ist. Eine Frau sollte
an der Arbeit gemessen werden, die sie leistet, und es sollte ihr die Möglichkeit
eingeräumt werden, der Arbeit nachzukommen, zu der sie befähigt
ist.
In dem Postskript „The Worth of Work", welches The Mind of The Maker
angehängt ist, betont Sayers den Wert der Arbeit für das mentale
Gleichgewicht des Individuums. Arbeit ist für Sayers ein zentraler
Lebenszweck. Ohne die richtige Aufgabe im Leben kann das Individuum nicht
glücklich werden. Sayers verlangt von Parteien, Gewerkschaften und
nicht zuletzt der Kirche, den Menschen ihre Arbeit wieder näherzubringen,
ihnen die Schönheit gut getaner Arbeit wieder begreiflich zu machen.
Diese Arbeit muß nicht ein Beruf, eine Profession sein, auch
wenn Sayers hier ihren Schwerpunkt setzt. Es kann auch sein, daß
eine Person eine andere zur Aufgabe nimmt. So sieht Sayers die Ehe.
Allerdings darf es nicht so sein, daß automatisch der Frau diese
Rolle zukommt. Wird das Streben eines Menschen unterdrückt, kann es
für diesen nur im Chaos enden. So sind die Täter in Sayers’ Romanen
häufig Menschen, die ihre Berufung entweder durch äußere
Einflüsse oder durch eigene Verblendung verraten haben.
Kenney schreibt über die Verbrecher bei Sayers:
„The relationship between this novel´s villain and hero is prototypical for [Dorothy L. Sayers]: in the world of her creation good people do good work, while subverting one´s work or occupation is an unfailing index of moral corruption."
Dorothy L. Sayers’ Mörder zeichnen sich nicht nur durch ihre Geringschätzung
von menschlichem Leben, sondern auch durch Respektlosigkeit gegen ihre
Arbeit aus. So verrät in sechs der sieben Bücher von Sayers,
in denen ein Mord begangen wird, die Vorgehensweise des Mörders dessen
Beruf.
Dawson Gaillard erklärt den Zusammenhang zwischen Sayers’ Helden
und Schurken und dem Begriff der Kreativität so:
„By misusing their work, Sayers´s criminals sin against God. They disrupt the divine pattern of creative energy, at least temporarily. Although evil cannot be abolished it can be redeemed by creative power. To Sayers, creativity meant synthesis, making something new out of the materials that one has. One does not destroy in order to create, one assimilates the old with the new."
So werden Sayers’ Protagonisten zu Kreuzrittern, deren Aufgabe es ist,
den heiligen Gral der Kreativität wieder in den menschlichen Alltag
zurückzubringen. Kreativität ist die Eigenschaft, die der Mensch
mit Gott teilt. Sayers vermißt eine ausdrückliche Stellungnahme
der Kirche zum Wert der Arbeit, meint aber, daß es eine christliche
Lehre der Arbeit gibt. Diese verbinde „die Lehre von der Schöpferkraft
Gottes mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen".
Sayers sagt weiter:
„Wenn der Mensch nur dadurch die Bestimmung seiner Natur erfüllt, daß seine gottebenbildliche Kreativität zu vollem Ausdruck gelangt, dann brauchen wir dringend eine christliche Lehre von der Arbeit, die nicht nur für ordentliche Arbeitsbedingungen Sorge trägt, sondern auch dafür, daß die Arbeit so ist, daß der Mensch sie mit ganzem Herzen und um ihrer selbst willen tun kann."
Die Arbeit stelle Erfüllung dar. Am ehesten könnten Künstler,
Wissenschaftler, Handwerker oder auch Mütter diese Erfüllung
erreichen. Denn sie haben die Möglichkeit, ihr Produkt selbst zu gestalten
und bis zur Vollendung zu begleiten. Ein gesellschaftliches Problem sieht
Sayers für die Fabrikarbeiter. Diese sähen nur einen Teil ihrer
Arbeit, machten immer wieder die selben Handbewegungen und könnten
sich dadurch nicht mit dem Endprodukt identifizieren. Sie arbeiteten nur
für den Lebensunterhalt. Dadurch gehe ihnen, so Sayers, ein Stück
Lebensqualität verloren.
Dorothy L. Sayers sieht also die Zukunft der Menschheit in der Kreativität.
Sie glaubt, daß nach dem theologischen Menschen der Vorrenaissance,
dem humanistischen Menschen der Renaissance, dem rationalen Menschen des
18. Jahrhunderts, dem biologischen Menschen Darwins, dem soziologischen,
dem psychologischen, dem ökonomischen Menschen des 20. Jahrhunderts
der kreative Mensch folgen muß. Die Menschheit befinde sich in einer
Phase, in der nur das Streben nach Gewinn zähle. Das Individuum definiere
sich durch seinen ökonomischen Erfolg. Dadurch verliere es sich in
der Betrachtung eines Details seiner Ganzheit und büße seine
Würde ein.
In Sayers’ späteren Werken, nachdem sie sich ganz von der Detektivliteratur
abgewendet hatte, wird das Thema des Wertes der Arbeit für die Würde
des Menschen zu einem ständigen Inhalt. In The Zeal of Thy House
(1937), einem Drama, das sie für ein Festival der Friends of Canterbury
Cathedral geschrieben hat und das auch in der Kathedrale von Canterbury
uraufgeführt wurde, behandelt Sayers die Geschichte von William of
Sens, einem Architekten, der im 12. Jahrhundert am Wiederaufbau eines Teils
der Kathedrale beteiligt war. Sayers stellt ihn als nicht sehr tugendhaften
Menschen dar, der aber als Architekt überaus kompetent ist. So wählt
der Abt ihn auch trotz seiner moralischen Makel. Sayers glaubt, daß
schlecht getane Arbeit nicht dadurch besser wird, daß sie ein Christ
getan hat. Der Arbeiter definiert sich durch die Arbeit, die er geleistet
hat, der Mensch durch seine Kreativität.
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