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3. Die Romanze im Detektivroman: Harriet Vane
Dorothy L. Sayers hat sich noch 1928 in The Omnibus of Crime gegen die Einführung einer Liebesromanze gewehrt. Sie meine, daß entweder die Romanze oder die Detektivgeschichte an Glaubwürdigkeit einbüßen würden. Sayers schreibt, daß es nur wenigen Autoren gelungen sei, eine glaubhafte Verknüpfung zu erreichen.
„Apart from such unusual instances as these the less love in a detective story, the better. ‘L´amour au théâtre,’ says Racine, ‘ne peut pas être en seconde place,’ and this holds good of detective fiction. A casual and perfunctory love-story is worse than no love-story at all, and, since the mystery must, by hypothesis, take the first place, the love is better left out."
Der Grund hierfür ist, daß es dem Detektiv möglich sein muß, rational an die Lösung des Problems zu gehen. Er darf sich nicht durch seine Gefühle für die eine oder andere Person, die für ihn zum Kreis der Verdächtigen gehören müssen, ablenken lassen. Wird er abgelenkt, wird er für den Leser von Kriminalromanen uninteressant. Sayers sieht hier ein kaum zu lösendes Problem.
„There is the whole difficulty about allowing real human beings into a detective-story. At some point or other, either their emotions make hay of the detective interest, or the detective interest gets hold of them and makes their emotions look like pasteboard."
Trotzdem unternimmt Sayers in Strong Poison dieses Wagnis und führt
die Person der Harriet Vane, der späteren Lady Peter Wimsey ein.
Harriet Vane ist die Partnerin in einer Reihe von Lord-Peter-Wimsey-Abenteuern.
Sie spielt eine entscheidende Rolle für die Entwicklung Lord Peters
vom Superdetektiv zu einer Figur eines realistischen Romans. Zu diesem
Zweck gilt es, zwei Hindernisse zu überwinden: das eine ist die silly-ass-about-town-Haltung,
seine Rolle des geistig minderbemittelten Adligen, die für Wimsey
so typisch ist, und das andere seine Rolle des Superhelden. Sayers waren
Wimseys übermenschliche Fähigkeiten und seine unterentwickelte
Persönlichkeit sehr bewußt. Sie benutzt Harriet Vane, um sowohl
die Notwendigkeit als auch die Mittel für Lord Peter Wimseys Veränderung
zu schaffen. Peter hatte sich durch eine Reihe von Büchern hindurch
weiterentwickelt. Bereits in Strong Poison hatte Sayers ihm Charaktereigenschaften
und Informationen aus seiner Vergangenheit mitgegeben, die ausbaufähig
waren. Um aber zu einem menschlichen Charakter zu werden, brauchte er Unterstützung.
Margaret P. Hannay sieht Harriets Aufgabe so:
„Peter has come as far into humanity as he could on his own. If he is to progress into fuller life, he needs help. Sayers provides that help in the person of Harriet Vane, who is the catalyst of Peter´s humanity in several important ways: she provides the necessity for developing his character, she serves as an indirect narrator in love with the hero, thus relieving the author of that charge; she functions as a ficelle within the story, allowing Peter to reveal both his crushing sense of responsibility for getting people hanged and his many personal weaknesses."
Damit wird Harriets Aufgabe in Strong Poison, jedoch noch mehr in den
folgenden Romanen, deutlich umrissen. Sie dient als Mittel für Wimseys
weitere Entwicklung, indem sie zum einen als Kontrast wirkt und zum anderen
teilweise die Erzählerfunktion übernimmt und dadurch die Sicht
einer dritten Partei verdeutlichen kann.
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