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„‘You would have to abandon the jig-saw kind of story and write a
book about human beings for a change.’
‘I´m afraid to try that, Peter. It might go too near the bone.’
‘It might the wisest thing you could do.’
‘Write it out and get rid of it?’
‘Yes.’
‘I´ll think about that. It would hurt like hell.’
‘What would that matter, if it made a good book?’"
Erstens beschreibt Sayers die Schwierigkeit, eine emotionale Handlung glaubwürdig in einer Detektivgeschichte unterzubringen, und zweitens betont sie die Verpflichtung, gute Arbeit zu leisten. Was Harriet wundert, ist, daß Peter ihrer Arbeit so viel Bedeutung beimißt und daß er nicht in eine Beschützerrolle fällt.
„The protective male? He was being about as protective as a can-opener."
Damit gesteht Wimsey Harriet ihre Selbständigkeit zu. Das setzt
für Harriet eine mögliche Beziehung in ein ganz neues Licht.
Eine Ehe, in der beide, auch intellektuell, gleichberechtigte Partner sind,
hat sie bis dahin für unmöglich gehalten. Mit dem Wimsey der
früheren Bücher wäre das auch kaum möglich gewesen.
Wimsey sieht auch die physische Gefahr, in der Harriet sich befindet.
Um ihr aber ihre Selbständigkeit zu lassen, spielt er sich auch in
diesem Fall nicht als der männliche Beschützer auf. Er unterstützt
sie zwar insofern, daß er sie berät, wie sie sich selbst schützen
kann, indem er ihr Selbstverteidigung beibringt und ein Hundehalsband als
Schutz gegen einen Würger kauft, läßt sie aber das volle
Risiko tragen. Auf diese Art und Weise macht Wimsey es Harriet möglich,
ihre vermeintliche Schuld an ihm abzutragen.
Eine der menschlichsten Seiten, die Sayers Wimsey zugesteht, ist seine
Eifersucht.
Harriet hat in Oxford den jungen Studenten Reginald Pomfret in einer
für ihn kompromittierenden Situation kennengelernt. Pomfret hilft
nachts einer angetrunkenen Studentin, heimlich über die Mauer zurück
ins College zu gelangen. Harriet erwischt ihn dabei, läßt aber
Gnade vor Recht ergehen, allerdings mehr, um der Studentin zu helfen. Pomfret
entwickelt eine Schwärmerei für Harriet und macht ihr sogar einen
Heiratsantrag. Als Peter mit Harriet in einem Antiquitätengeschäft
für sie ein Set Schachfiguren kaufen will, begegnet ihnen Pomfret,
leicht angetrunken. Wimsey singt in diesem Moment aus einer übermütigen
Laune heraus ein Liebeslied für Harriet. Pomfret hört das Lied
und mißversteht dessen Text als Anspielung auf seinen abgelehnten
Heiratsantrag. Er greift Wimsey zunächst verbal, dann tätlich
an. Wimsey reagiert sehr erregt - zum einen wegen des Angriffs an sich,
zum anderen, weil er durch Pomfrets Ungestüm merkt, daß er alt
wird. In seiner Erregung ist Wimsey versucht, Pomfret zum Duell zu fordern.
Harriets Erklärung kann ihn jedoch besänftigen, und er schreibt
Pomfret einen Brief, der diesem die Situation erklären soll. Später
sprechen sich die beiden aus, und Pomfret wendet sich mit seinen Gefühlen
der Studentin zu, durch die Harriet und er sich ursprünglich kennengelernt
hatten.
Wimsey ist in dieser Episode sehr emotional und gibt Harriet gegenüber
mit den von ihm bestrittenen Duellen an. Trotz dieses Rückfalles in
die Pose des Supermannes finden Harriet und Peter am Ende zueinander.
Der Unterschied zu früheren Erscheinungsformen des Superhelden
Wimsey ist hier, daß er sich in dieser Haltung selbst als lächerlich
empfindet. Er weiß, daß er angibt. Aber er spürt, obwohl
er gezeigt hat, daß er Pomfret körperlich und moralisch überlegen
ist, ein Gefühl der Schwäche. Er spürt sein Alter und seine
körperliche Kleinheit. Er ist in seiner Eitelkeit verletzt.
Bei dem Dinner mit den Dons des Shrewsbury College, bei dem Wimsey
diese zum ersten Mal alle gemeinsam trifft und zum überwiegenden Teil
auch erst kennenlernt, brilliert er durch subtile Verhörtechnik und
Redekunst. Sogar Miss Hillyard, die männerfeindliche Geschichtsprofessorin,
kann von ihm gewonnen werden. Als Dr. Baring, die Direktorin des Colleges,
Wimsey auf das Thema Philosophie, ihr persönliches Fachgebiet, bringen
will, gesteht er ein, daß er sich dort nicht genug auskenne, um eine
kompetente Meinung abgeben zu können. Dadurch gewinnt er enorm an
Ansehen. Geschickt bringt er das Thema auf das von ihm vermutete Motiv
für die mysteriösen Vorkommnisse im College. Er nimmt an, daß
jemand durch seine Unnachgiebigkeit in wissenschaftlichen Fragen einen
anderen so verletzt haben müsse, daß dieser einen unbändigen
Groll hege. Tatsächlich hat Miss de Vine, als sie Dekanin eines anderen
Colleges war, einen Kollegen entlarvt. Dieser hatte einen Brief unterschlagen,
um seine These zu stützen, die ihm eine gesicherte Anstellung verschafft
hätte. Nachdem Miss de Vine, die dem Gremium angehörte, das über
die Anstellung des Kollegen zu befinden hatte, ihre Kenntnis um diesen
Brief publik gemacht hatte, war die Karriere des Mannes zu Ende. In akademischen
Kreisen wurde nie wieder etwas von ihm gehört.
Sayers führt Wimsey dreimal in Versuchung, das Prinzip der Integrität
zu verletzen, indem er eine Schwäche Harriets ausnutzt, um sie so
für sich zu gewinnen. Das erste Mal bei der gemeinsamen Bootsfahrt,
als Harriet ihre Liebe erkennt und rot wird, als Peter sie ansieht. Er
wendet sich, statt die Gelegenheit zu nutzen, wieder ihren Aufzeichnungen
zu. Denn er weiß, das alte Problem, daß Harriet sich ihm unterlegen
fühlt, weil sie meint, ihm Dankbarkeit zollen zu müssen, ist
noch nicht beseitigt. Das zweite Mal, im Botanischen Garten, warnt er sie
vor den Auswirkungen, die devote Liebe, wie in dem Motiv für die Verbrechen,
haben kann.
„‘(...) of all devils let loose in the world there was no devil like devoted love.’"
Das dritte Mal widersteht Peter, als Harriet sich seinem Schutz unterwerfen
will, nachdem ihre geliebten Schachfiguren zerstört worden sind.
Peter muß der Versuchung widerstehen, denn nur gegenseitige Akzeptanz
und Wertschätzung können das Dilemma lösen, in dem Harriet
und Peter sich seit Strong Poison bewegen. Sayers beschreibt ihre Absichten
so:
„Peter´s honesty of mind had to tell him that if Harriet accepted him under any sort of misapprehension, or through any insincerity on his part, they would be plunged into a situation even more false and intolerable than that from which they started. She must come to him as a free agent, if she came at all, and must realize that she was independent of him before she could bring him her dependence as a willing gift."
Die Lösung des Falles gefährdet in starkem Maße die Beziehung zwischen Harriet und Peter. Am Anfang des Buches hatten die beiden bei einem Abendessen darüber gesprochen, ob es möglich sei, in einer Partnerschaft Intellekt und Emotionen zu verbinden. Harriet war der Ansicht, daß solch eine Verbindung zu katastrophalen Folgen führen muß. Im weiteren Verlauf zeichnet sich immer deutlicher ab, daß das Motiv der Täterin im Zusammenhang mit dem Konflikt Intellekt-Emotionen steht. Peter hat das recht früh erkannt und fürchtet, daß Harriet diesen konkreten Fall als Beweis für ihre These nehmen könnte.
„They were half-way across the quad when he said suddenly:
‘Harriet. Do you really prize honesty above every other thing?’
‘I think I do. I hope so. Why?’
‘If you don´t, I am the most blazing fool in Christendom.
I am busily engaged in sawing off my own branch. If I am honest, I shall
probably lose you altogether. If I am not-’
His voice was curiously rough, as though he were trying to control
something; not, she thought, bodily pain or passion, but something more
fundamental.
‘If you are not,’ said Harriet, ‘then I shall lose you, because
you wouldn´t be the same person, would you?’"
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