| Minette Walters: The Ice House | ||
| Ein Krimi nach alter englischer Schule | ||
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Es ist schon verblüffend, wie hervorragend Agatha Christie jahrelang mit ihrem beschränkten Set an Akteuren in ihren Kriminalromanen ausgekommen ist. Da waren zunächst die alten Jungfer, die häufig mehr vom Leben wusste als alle anderen, der Major im Ruhestand, lange Indienerfahrung und immer für eine Anekdote gut, die Blume vom Land, nicht unähnlich der alten Jungfer und doch krasser Gegensatz mit ihren alt-modischen Ansichten und geheuchelter Frömmigkeit, das jugendliche Paar, dass irgendwie in Bedrängnis gerät, der Vikar, fromm,, aber mit Humor und der Ausländer (eventuell ein Belgier) und natürlich ein Häuschen auf dem Lande. Viel mehr Charaktere gab es in vielen Romanen Agatha Christies nicht. Okay, ausnahmen bestätigen die Regel, aber der Tenor ist vorhanden (nachzuschlagen bei Gerd Egloff, ‘Detektivroman und englisches Bürgertum, Konstruktionsschema und Gesellschaftsbild bei Agatha Christie’, Düsseldorf: Bertelsmann, 1974) Ähnlich aufgebaut ist ‘The Ice House’ von Minette Walters, erstmals erschienen 1992. Auf einem Landsitz in Hampshire leben drei Frauen. Im Dorf sind sie als Hexen und Lesben verschrien. Denn vor 10 Jahren verschwand der Mann der Besitzerin des Gutes auf mysteriöse Art und Weise auf Nimmerwiedersehen. Bei der anschließenden Untersuchung konnte der untersuchende Inspektor zwar keine Schuld nachweisen und auch keine Leiche entdecken, aber im Dorf entstanden genug Vorurteile. Vor allem als dann auch noch der Verdacht aufkam, die Besitzerin könnte dem Unfalltod ihrer Eltern nachgeholfen haben. Nun, wie gesagt zehn Jahre später, entdeckt das Faktotum des Hauses eine Leiche im Kühlhaus. Sie ist in einem entsetzlichen Zustand. Offensichtlich lagerte sie dort über mehre Wochen. Wilde Tiere oder ein krankhafter Mörder haben den Körper aufs grausamste verstümmelt. Die drei Bewohnerinnen, zwei Freundinnen sind zu der Hausbesitzerin gezogen, stehen unter Verdacht und rücken wieder in den vergifteten Blickpunkt der Dorfbevölkerung. Die untersuchenden Polizisten sind auch alles andere als vorurteilsfrei.
Natürlich sind sie sofort davon überzeugt, dass es sich um die
verschwundene Leiche des ehemaligen Hausherrn handelt. Andere Möglichkeiten
ignorieren sie. Die drei Frauen im Haus verschärfen die angespannte
Situation, in dem sie gern bereit sind, die Vorurteile aller zu unterstützen,
weil sie zum einen der Meinung sind doch nichts an vorgefassten Meinungen
ändern zu können und zum anderen so an ihr isoliertes Leben gewohnt
sind, dass sie lieber Ablehnung in Kauf nehmen als ihr Leben zu ändern.
Minette Walters benutzt ein bekannte Akteure, weiß sie aber mit neuen Inhalten und Charakteren zu füllen. Ein Lesespass nach bewährter englischer Landhaus-Manier. |
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