| Thomas More | ||
| Thomas
More , 1477 in London als Sohn des Richters Sir John More geboren,
wuchs im Hause Kardinal Mortons auf. Ausgebildet wurde er zunächst
in der St. Anthony School. Später kam er als Protegé Mortons
nach Oxford.
1494 kam er auf Drängen seines Vaters, der mit der philologischen und theologischen Richtung, die Mores Studien nahmen, nicht einverstanden war, wieder zurück nach London. Hier nahm er erst am New Inn, später am Lincoln's Inn das Studium der Rechtswissenschaft auf. Zwischenzeitlich versuchte sich der tiefreligiöse More als Laienbruder in einem nahegelegenen Kloster. 1499 lernte er Erasmus von Rotterdam kennen, als dieser London besuchte. Die beiden verband eine innige Freundschaft. 1509 schrieb Erasmus zu Ehren Mores Encomium Moriae, deren Titel ein Wortspiel auf Mores Namen ist. 1504 wurde More erstmalig Mitglied des Parlaments. In den Jahren 1510 bis 1518 war More Untersheriff in London. In dieser Zeit entwickelte er eine starke Beziehung zum Londoner Bürgertum, das er als aufstrebende Macht Englands erkannte. Diese Beziehung wird am deutlichsten am Beispiel des Aufstandes, der sich 1517 gegen ausländische Händler (hauptsächlich der Hanse) und Handwerker richtete. More stellte sich dem wütenden Mob entgegen und es gelang ihm durch Zureden die Menschenmassen zu beruhigen. 1515 und 1520-21 war More als Gesandter des Königs auf dem Festland. 1521 erhielt er den Ritterschlag. 1523 wurde er Sprecher des Unterhauses, wo er die Pläne Heinrich des VIII. und seines Lordkanzlers Kardinal Wolsey auf erhöhte Steuern nicht, wie von diesen erwartet unterstützte, sondern sich auf die Seite der Bürgerschaft schlug. 1525 wurde er Kanzler der Grafschaft Lancaster, 1529 endlich wurde er Lordkanzler. Im Jahre 1534 wurde er des Hochverrats beschuldigt, weil er sich weigerte, der Krönung Anne Boleyns beizuwohnen und einen Eid auf den Act of Succession abzulegen. More kam in den Tower und wurde zum Tode verurteilt. Das Urteil sah vor, dass More aufgehängt werden sollte bis kurz vor seinem Tode, dann gevierteilt, dann enthauptet. Heinrich VIII.. begnadigte ihn, so dass er nur enthauptet wurde. So geschehen am 06 Juli 1535. 1886 wurde Thomas More gesegnet und 1935 heilig gesprochen. More ist eine derartig vielschichtige Persönlichkeit, dass es schwer fällt zu entscheiden, wo er selbst wohl seinen Lebensschwerpunkt gelegt haben mag. Soll man den Lordkanzler hervorheben, den Märtyrer, den Humanisten, den Kommunisten? Als Politologe ist man geneigt, seine politische Karriere in den Vordergrund zu schieben -Thomas Morus, der erfolgreiche Anwalt, Untersheriff Londons, Gesandter des Königs und letztendlich Lordkanzler Heinrich des VIII. von England. Auf keinen Fall vernachlässigen sollte man den 1935 heilig gesprochenen Morus, den Märtyrer, der sich weigerte, Heinrich den VIII. als Kirchenoberhaupt zu bestätigen und der Scheidung von Katharina von Aragon zuzustimmen. Man kann diese Tat zwar auch als politische Entscheidung bewerten, aber Morus ist auch der Mann, der Zeit seines Lebens ein Büßerhemd getragen hat, das er erst, als er von seiner bevorstehenden Hinrichtung erfahren hatte, seiner Tochter zu senden ließ, der Mann, der in seiner Jugend Laienbruder war und eine Zeitlang im Kloster lebte, sich dann aber entschied "lieber ein keuscher Gatte zu sein, als ein schmutziger Priester" zu werden wie Erasmus von Rotterdam über ihn in einem Brief an Ulrich von Hutten schreibt. Oder war More, der in seiner Utopia den Verzicht auf privates Eigentum propagiert, der erste Kommunist? So versteht ihn Karl Kautsky in seinem Thomas More und seine Utopie und auch aus dem sowjetischen Politbüro sollen in Londoner Klöstern Nachfragen über den ersten großen Kommunisten eingetroffen sein. Oder war More der humanistische Philosoph, der gute Freund und Vertraute Erasmus von Rotterdams, der mit Martin Luther in, wenn auch allerdings gar nicht freundlichem, Briefwechsel stand? Diese Punkte findet man in der unterschiedlichsten Art und Weise in der Literatur diskutiert. Worüber sich allerdings alle einig sind, ist, dass Thomas More ein hochgebildeter, disziplinierter Mann war, der, obwohl als Rechtsanwalt extrem erfolgreich und daher viel beschäftigt, Zeit für seine Wissenschaft und seine Familie fand. Überall finden wir auch Hinweise wie außerordentlich tolerant More war. Beachten wir nur, wie wertvoll ihm die Bildung seiner Kinder, nicht zuletzt seiner Töchter, war. Dies war zu Mores Zeit eine ungewöhnliche Haltung. Ein weiteres Zeichen seiner Toleranz ist die Vermählung Mores ältester Tochter Margarete mit William Roper, einem erklärten Protestanten, der sich allerdings später wieder der katholischen Kirche zu wandte. Ein letzter Punkt zur Charakterisierung Mores sei hier noch erwähnt, der auch bei der Bewertung der Utopia eine Rolle spielen wird. In jeder Beschreibung Mores wird erwähnt, was für ein humorvoller Mann er war. Bereits in seiner Jugend im Hause Mortons sprang er, wenn Schauspieler zu Gast waren, auf die Bühne und improvisierte einen Part im Stück. Später hält er sich in seinem Haus einen Affen und erwirbt Kuriositäten aus aller Welt, die vorzuführen er nicht müde wird. |
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