Kurt Kluxen: Geschichte Englands
Reihe: Sachbücher für den Anglisten I

In den kommenden Wochen möchte ich in unregelmäßigen Abständen immer mal wieder das eine oder andere Sachbuch vorstellen. Einige von ihnen sind Standardwerke und den Anglisten bzw. Lehramtsstudenten sicherlich geläufig.
Dem einen oder anderen - vor allem Studienanfänger - kann aber bei seiner Suche nach Sekundärliteratur auf diese Weise geholfen werden und für die Nicht-Studenten und Freunde der englischen Literatur wähle ich Bücher aus, mit denen Sie Ihr Hintergrundwissen zur englischen Literatur vertiefen können..
Beginnen möchte ich die Reihe mit Kurt Kluxens’ ‘Geschichte Englands’, erschienen im Alfred Kröner Verlag in Stuttgart.

Es ist ein Buch, das ich immer wieder gern in die Hand nehme, um mir historische Details vor Augen zu führen. Häufig geschieht das mit dem Resultat, dass ich mich stundenlang auf eine Zeitreise begebe, von einem Zeitalter ins nächste hüpfend.

Die mir vorliegende vierte Auflage (916 Seiten stark) von 1991 befasst sich mit der englischen Geschichte zwischen Alt-Steinzeit und Thatcherismus (ruft da jemand: ‘Dann hat sich ja der Kreis geschlossen!’, Nein, wohl ein Irrtum.)

Das Buch ist in fünf große Teile gegliedert:

Teil 1 Ursprünge und frühes Mittelalter
Teil 2: Hohes und spätes Mittelalter
Teil 3 Der Weg in die Neuzeit
Teil 4 Der Weg zur Weltmacht
Teil 5 Großbritannien im 20. Jahrhundert

Zusätzlich finden sich im Anhang neben zahlreichen Literaturhinweisen Stammbäume der Königshäuser Plantagenet, Lancaster, York, Tudor und Stuart sowie eine Liste der englischen Königinnen und Könige und der Premierminister bis 1990 (John Major).

Beschrieben werden in den einzelnen Kapiteln wirtschaftliche und politische Zusammenhänge, Kirchen- und Kolonialpolitik, Rosenkrieg und Abkehr Nordamerikas vom Commonwealth).
Für mich persönlich am spannendsten zu lesen ist das Kapitel über Elisabeth I. Wenn man beginnt über ihre glorreiche Herrschaftszeit zu lesen, in der auch Shakespeare Schaffensperiode (zum Großteil) liegt, wird man unweigerlich in eine Welt des bürgerlichen Aufschwungs, der neuen Liberalität, der Belebung der Künste gesogen.
Natürlich muss man dann auch mal kurz in dem Kapitel über ihren Vater, Heinrich VIII. vorbeisehen, der, obwohl ein grausamer Mann, doch den Grundstein zum aufstrebenden elisabethanischen England gelegt hat.
Wenn man dann schon mal dabei ist, erfährt man einiges über Mary Tudor (nach der übrigens die ‘Bloody Mary’ benannt ist, oder besser sie trug diesen Beinamen zuerst) und Elisabeths Rivalität zu Mary Stuart.
Und wer kann dann schon aufhören zu lesen, wenn es zu Jakob (oder James) I. von England bzw. Jakob (oder James) VI von Schottland geht, der ja auch die Bibel für die anglikanische Kirche übersetzt, so gut, dass die Übersetzung auch heute noch als die englische Standardübersetzung gilt. 
Naja, und dann gibt es dann noch die Rosenkriege und Oliver Cromwell, den Gunpowder Plot und die Restauration, Wilhelm, den Eroberer und Wilhelm von Oranien.

Wer eine Vorliebe für Intrigen und historische Krimis hat, kommt mit der ‘Geschichte Englands’ voll auf seine Kosten.

Wohlgemerkt, es ist ein Sachbuch, kein Roman. Ich möchte hier keine falschen Kaufsempfehlungen aussprechen.
Der, der an Geschichte interessiert ist, findet hier einen hervorragenden Einstieg in die Geschichte Englands (hier liegt übrigens der einzige Nachteil: Englands! Schottland, Irland und Wales werden deutlich weniger behandelt), für den, der dieses Buch mit Phantasie ließt, eröffnen sich neue Welten.
 

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