Raymond Chandler 
 Diesmal möchte ich Ihnen  Raymond Chandler  vorstellen - den König des „hard-boiled" Detektivromans.

Obwohl seine Romane im Amerika der 30er Jahre spielen und er auch hauptsächlich in den Staaten gearbeitet hat, ist Raymond Chandler in seinem Wesen sehr britisch. 1888 in Chicago geboren, wurde er nach der Scheidung seiner Eltern  von seiner Mutter nach London gebracht. 

Chandler arbeitet als Beamter und Journalist in Großbritannien, Bankangestellter, war Direktor einer Ölgesellschaft.
Im Ersten Weltkrieg diente er bei den Gordon Highlanders, später bei dem Royal Flying Corps.
1939 veröffentlichte er „Der große Schlaf". Bereits in diesem Buch war Philip Marlowe sein Held.
Philip Marlowe ist ein heruntergekommener Whisky saufender Privatdetektiv der für seine Klienten durchs Feuer geht, der seine Freunde nie im Stich lassen würde, selbst aber durchaus verraten wird.

Er vertritt langbeinige Blondinen, verlassene Ehemänner, reiche Schauspieler. Er kämpft gegen miese Schläger, korrupte Bullen, dealende Ärzte. Seine Methoden sind nicht fein und auch nicht immer legal.
Trotzdem bleibt er ein strahlender Ritter ohne Furcht und Tadel, der sich seinen moralischen Standard nicht leisten kann, was ihm aber sch...egal ist.
Zugegeben: Ob das nun hohe Literatur ist? Wer weiß...Der hohe Unterhaltungswert ist allerdings garantiert.
Chandler weiß seine Sprache der Situation anzupassen. Sein Held ist zynisch, sarkastisch und wortkarg. Kein Wunder, dass in den Verfilmungen Humphrey Bogart und Robert Mitchum die Hauptdarsteller waren.
Chandler hat nie gern in Hollywood gearbeitet, aber das liebe Geld...
Das besondere an seinen Kriminalromanen ist  - neben dem Helden - seine Metaphorik.
Selten liest man so schöne, ausgefallene Wortspiele wie bei Chandler.
Lese ich einen Roman von ihm, interessiert mich nie, wer der Mörder ist oder wie er gefaßt wird. Tatsächlich könnte ich bei keinem Bücher sagen, wer der Täter war.
Was mich immer fasziniert hat, ist der Fluß dieser Werke. Einen Chandler zu lesen, ist der pure Genuss.
Tatsächlich habe ich schon überlegt, ob ich die letzten 15 Seiten meines Lieblingsromans von Raymond Chandler „Der lange Abschied" kopiere, rahme und an die Wand hänge. Großartig.
Dabei erscheinen Chandlers Geschichten nie verkrampft, sondern immer im Fluß.
Wie er das macht? Ganz einfach, er hat sein Geheimnis selbst verraten: „Wenn ich einmal nicht weiß, wie die Geschichte weitergeht, lasse ich einen Revolvermann durch die Tür treten und jemanden erschießen. Dann geht es fast wie von selbst."
 

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